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Scirocco 2

 

Allgemeine Tipps

Diese Kaufberatung soll eine kleine Hilfe für Scirocco II Interessenten darstellen und die Auswahl des Autos möglichst einfach gestalten, sowie auf gewisse Modellspezifikationen hinweisen.
Technisch ist der Scirocco eng mit den jeweils gleich alten Golf/Jetta und Passat verwandt und teilt sich seine konstruktionsbedingten Schwächen mit eben diesen Modellen. Da diese Autos ausgereift in Großserie produziert wurden und VW-typisch absolut zuverlässig sind, profitiert davon auch der bei Karmann gebaute Scirocco, vorgesehene Wartung und Pflege vorausgesetzt. Angesichts des mittlerweile recht hohen Fahrzeugalters und entsprechender Laufleistung, sollten doch gewisse Schwächen und gern vernachlässigte Wartungspunkte erwähnt werden. Viele Bauteile eines Autos lassen mit der Zeit nach oder gehen einfach kaputt, ohne daß das Fahrzeug dadurch gebrauchsunfähig oder verkehrsunsicher würde, aber oft sind diese Positionen entweder schwer zugänglich oder die Teile sind teuer, deshalb ist dann Ersatz auch nicht zwingend notwendig. Andererseits macht ein gut gewarteter und gepflegter Scirocco richtig viel Fahrvergnügen und muß sich auch nicht ‚alt‘ anfühlen. Außerdem ist das Modell durchaus wartungsfreudig, man kann eine Menge selbst reparieren und auswechseln.

Technik

Also, hier die Stellen, die zu überprüfen sind:
Da wäre an erster Stelle die etwas zu schwach dimensionierte Vorderachsauslegung, die weiche Motor/Getriebeaufhängung und deren Lagerung, und die Neigung zum Ruckeln bei Lastwechseln. Bei relativ neuen Autos fällt das kaum auf, da die Verbundlager zwischen Motor/Getriebe und Karosserie erst im Alter und nach langem Gebrauch weich werden und Geräusche machen. Das gleiche gilt für die vorderen Federbeindomlager, Haltbarkeit etwa 120.000km. Genauso lange halten die vorderen Spurstangenköpfe, die Gelenkwellen sind, je nach Bereifung und Radgröße, etwas haltbarer, ebenso die Radlager in der gleichen Abhängigkeit. Diese Verschleißwerte sind allesamt von der Fahrweise des Vorbesitzers abhängig und können deutlich variieren! Es geht natürlich auch nicht immer alles gleichzeitig kaputt, Verschleiß ist auch abhängig von der jeweiligen Modellversion und Motorisierung!

Bei der Probefahrt

Der Verschleiß dieser Komponenten wird bei einer ausgiebigen Probefahrt deutlich, bereits beim forschen Anfahren (nicht übertreiben!) sind defekte Motorlager zu hören, ein Knarzen aus etwa Mitte Armaturenbrett signalisiert ein kaputtes mittleres Lager, dies reißt auch gerne! Fühlt sich das Auto bei Lastwechseln vorne herum insgesamt recht weich an, sind wohl alle drei Motor/Getriebelager fällig. Das ist insofern kein Problem, wenn man diese selbst wechseln kann (Motor abstützen!), in der Werkstatt wird das natürlich etwas teurer. Der Preis für ein Gummi/Metalllager beträgt etwa 35€, die Investition lohnt in jedem Fall!
Beim Abbiegen unter Teillast machen sich defekte Federbeindomlager bemerkbar, auch ein Knarzen, ähnlich wie defekte Motorlager. Ebenfalls preiswert, aber das ganze Federbein muß demontiert werden.

Radlager/ Bremsen

Antriebswellen sterben meist plötzlich, eine kaputte klappert laut und schlägt bis zum Lenkrad, vor allem in Kurven. Mittlerweile sind auch die Gelenke dieser Wellen einzeln erhältlich, daher auch später kein Erschrecken notwendig. Auf heile Gelenkwellenmanschetten sollte man achten.
Immer noch bei der Probefahrt, sollte man das Auto mal um die eigene Achse lenken, auch gerne mit etwas Gas, vielleicht auch rückwärts. Hört man dann ein Knacken und spürt es auch im Lenkrad, sind die Spurstangenköpfe hinüber, zumindest einer von beiden, die richtige Seite ist schnell lokalisiert. Dieser Mangel wird auch bei der HU angekreidet, ist aber nicht schwierig zu beheben und auch nicht allzu teuer.
Radlager machen als kaputt auf sich aufmerksam, sobald sich ab ca. 60km/h ein Brummgeräusch einstellt, das mit zunehmender Geschwindigkeit heller klingt und auch lauter wird.
Ideal auf jeden Fall wäre es, den Vorderachsprüfstand einer Prüfstelle aufzusuchen, z.B. TÜV oder Dekra. Wenn wenig Betrieb herrscht, kann man mit den Leuten bestimmt reden und eine preiswerte Überprüfung vornehmen lassen.
Ist man bereits bei der Inspektion der Vorderachse und derer Bauteile, kann man sich auch gleich die vordere Bremse vornehmen. Genug Belag auf den Klötzen? Bremsscheiben (vor allem die Innenbelüfteten!) noch OK? Bremsschläuche porös?

Motorraum

Auf eine heile Abgasanlage braucht wohl nicht explizit hingewiesen zu werden.
Alles normale Wartungspunkte eines Gebrauchtwagens, aber einen Blick wert.
Motorhaube offen? An erster Stelle: Wenn das Auto mehr als 100.000km hinter sich hat, wo ist der Nachweis des Zahnriemenwechsels? Wie sieht der Motorraum aus? Alles ist in Ordnung, nur kein Rost. Der Raum kann auch schmuddelig aussehen, das ist die Folge von werksseitig aufgetragenem Korrosionsschutz, kein Grund zur Sorge. Ursprünglich ist diese Substanz gelb transparent, wird später bräunlich-schmutzig, nicht mit Gammel verwechseln!
Je seltener der Motorraum gereinigt wurde, desto besser! Klingt paradox, macht aber Sinn, denn so wurde weniger Korrosionsschutz weggespült. Ist der Motorraum hingegen blitzblank, wurde entweder nachlackiert oder jede Woche geputzt. Die Falze und Kanten sollten jedenfalls rostfrei sein, auch bei ganz alten 2er Exemplaren, ansonsten rostet es mit Sicherheit auch woanders. Abschließend Motorraum: Ölstab ziehen und Deckel aufdrehen. Ölstand sollte OK sein, Unter dem Deckel sollte sich möglichst kein Schlamm finden lassen, tritt bei Kurzstreckenautos schon mal auf. Ölzettel oder Aufkleber vorhanden?
Ausgleichsbehälter für Kühlmittel platzen gerne im Alter (20€), neue Behälter sind durchscheinend, nicht vergilbt und haben keine Risse. Richtiges Kühlmittel an Bord? Blau oder Rot ohne Rostschleier.Kühler dicht (70€ und damit preiswert, Valeo)? Bremsflüssigkeit zu alt? Wasserpumpe mit Kalkbelag?
Auf das Rausschrauben der Zündkerzen verzichten wir mal, vielleicht aber noch nach dem Füllstand der Batterie sehen.

Der Motor

Der Motor sollte auf jeden Fall bei jeder Temperatur zügig anspringen und absolut rund laufen! Die Leerlaufdrehzahl kann, je nach Modell, recht hoch erscheinen, das deutet nicht unbedingt auf einen Defekt hin. Die Vergaserversionen haben eine temperaturabhängige Drehzahlanhebung, ist der Motor warmgefahren, sollte sie sich im Normalbereich zwischen 900 und 1100 U/min befinden, abhängig von den eingeschalteten Stromverbrauchern und ggf. vorhandener Lambdaregelung für einen geregelten Katalysator.

Zwischencheck

Hier sind vielleicht eine Menge Kleinigkeiten bereits aufgeführt, man muß jedoch auch immer den entsprechenden Kaufpreis des Autos beachten, der mittlerweile leider einen extremen Tiefpunkt erreicht hat. Natürlich bekommt man auch einen mittelmäßig gewarteten Scirocco wieder technisch in vernünftigen Zustand, die Summe der Reparaturen bzw. Komponenten die zu wechseln wären, entscheiden aber schon mindestens über den Kaufpreis, wenn nicht gar über den Kaufentscheid.
Letztendlich sollte ein Nachweis über alle evtl. durchgeführten Reparaturen/Inspektionen geliefert werden können.
Endlich fertig vorneherum?
Ja. Soweit alles andere stimmt.
Das andere sind auch nicht mehr allzuviele Dinge, soweit einem der angebotene Scirocco überhaupt gefällt. Das hängt auch von dem ausgesuchten Auto ab, die zuvor beschriebenen Checkpunkte betreffen eigentlich alle von 1981 bis 1992 produzierten Fahrzeuge, auf Spezialitäten, die die 16V Modelle betreffen, geht aus der 16V Geschichte hervor. Außerdem wird an anderer Stelle noch auf die vielen verschiedenen Ausstattungsvarianten des Scirocco II hingewiesen.

Originalität

Diese Kaufberatung soll sich an diejenigen wenden, die einen Scirocco in dem Zustand suchen, in dem er auch vom Band gelaufen ist, denn nur solche Exemplare sind mittlerweile in empfehlenswertem Zustand am Markt. Die Schere des Zustands dieses Autos ging schon zu Lebzeiten weit auseinander, deshalb sind auch geringe Modifikationen an angebotenen Autos durchaus tolerierbar, sofern sie den Originalzustand mit geringfügigen Maßnahmen wieder gewährleisten können, die Verfügbarkeit der Originalteile vorausgesetzt. Das heißt zum Beispiel: Ein anderes Lenkrad oder andere Räder verändern den Zustand des Autos an sich ja nicht, Karosseriearbeiten oder Innenraummodifikationen, die nicht wieder rückgängig zu machen sind (Bohrlöcher etc.), dagegen schon.

 

Innenausstattung

Der Innenraum sollte auf jeden Fall komplett sein, die wenigsten Komponenten sind bei VW überhaupt noch erhältlich, das gilt vor allem für Sitzbezugsstoffe. Ein harmloser Riß oder Aufscheuerungen können da zum Problem werden, zumal die Bezüge der originalen Sportsitze nicht sonderlich haltbar sind und oft an den Flanken durchgescheuert sind. Alle Stoffe die vor mehr als 10 Jahren designt worden sind, sind bei VW ausgelistet worden, da kann nur noch ein Sattler (vielleicht) helfen.
Die Verfügbarkeit eines neuen Armaturenbretts spielt nicht die allzu große Rolle, wenn überhaupt, sind nur noch schwarze lieferbar, dann aber zu einem Preis eines schlechten Gebrauchtwagens. Also auch auf ein heiles Armaturenbrett achten, es neigt stark zur Rißbildung, die sich von den Scheiben-Belüftungsdüsen bis zum Ende des Instrumentengehäuses fortsetzen kann, das Problem kann sogar in einem totalen Bruch resultieren. Begünstigt wird diese Rißbildung zum einen durch Sonneneinstrahlung, zum anderen aber auch durch den Einsatz von Innenraumpflegemitteln, z.B. Armor All. Durch diese Mittel kann sich auch die Oberfläche vom Untergrund lösen, erkennbar an Blasen auf dem Handschuhfachdeckel. Ein neuwertiges Armaturenbrett ist mattschwarz, durch Pflegemittel wird es glänzend-speckig nach einer gewissen Zeit, sicher nicht so wünschenswert. Möglichst also nur mit einer ganz milden Seifenlösung reinigen. Wenn es nicht schwarz ist, ist es entweder rot, blau oder grün, gehört zu einem GL oder GLS und ist mit Sicherheit kaputt! Die bunten Exemplare sind nämlich noch weniger haltbar als die schwarzen.

Instrumente

Sitzt man schon mal in der Armaturenbrett-Inspektionsposition, kann man sich auch gleich seinem Inhalt widmen und ihn ausprobieren. Funktioniert alles? Sind die Heizungsregler leichtgängig (Seilzugproblem)? Sind alle Instrumente vom gleichen Hersteller? Tacho und ggf. Drehzahlmesser sind beide entweder von VDO oder MotoMeter, aber nie stammt ein Instrument vom einen und eins vom anderen Hersteller! Wenn doch, Belege über Ersatz?

 

Karrosserie

Selten sind mittlerweile die frühen Scirocco II, bis Baujahr 1985, vor allem die Versionen ohne Rundumverspoilerung tauchen nur noch ganz selten im Angebot auf und sind daher ein echter Tip. Der Korrosionsschutz und die Blechqualität haben sich zwar im Vergleich zum Vorgängermodell beträchtlich verbessert, jedoch ist ein 17-20 Jahre altes Auto selten komplett rostfrei. Rost tritt bei weißen Autos häufiger auf, als bei beispielsweise metallicfarben lackierten. Die typischen Roststellen sind schnell

genannt: Heckklappe, Blechfalz unter den Schwellern, Türen und hintere Seitenscheibenrahmen, aber auch eine weitere, spezielle Stelle: Radhaus hinten rechts, dort setzt sich immer Schmutz zwischen

Tankeinfüllrohr und Karosserie fest und sorgt da für Feuchtigkeit und schließlich Rost. Ob die Stelle OK ist läßt sich feststellen, wenn man die Rückbanklehne vorklappt. Ist noch kein Rostansatz an der Innenraumseite zu erkennen, sieht man direkt im Radhaus nach. Auch fies: Die Tankeinfüllrohre rosten oft von innen durch, Ersatz ist aber preiswert und leicht montiert.

Vielleicht sollte man noch die Türscharniere auf Verschleiß prüfen, sie kapitulieren im Alter durch das hohe Gewicht der doch recht breiten Türen. Zum Check die offene Fahrertür an der Schloßseite versuchen anzuheben, sie sollte nicht zu viel Höhenspiel haben. Ein Blich auf die Fensterschaftdichtungen kann hier auch nicht schaden.

Sollten noch an anderen Stellen massive Rostansätze zu finden sein, ist der Kauf kaum empfehlenswert. Zum einen sind die Preise für Blechteile unverschämt hoch, zum anderen findet man (noch) genug gesunde Sciroccos.
Letztendlich, Restaurierer brauchen kaum eine Kaufberatung, die sollten wissen, worauf sie sich da einlassen.

Abschließend

 

Schließlich empfiehlt sich noch ein Blick in die Papiere und in das bestenfalls vorhandene Wartungsheft, paßt da alles zusammen und vor allem auch zum betreffenden Auto?
Ein Vorbesitzer, der sein Auto gepflegt hat beseitigte auch kleinere Schäden am Fahrzeug, z.B Aufbruchsschäden an der Tür.
Sollte einen das besichtigte Stück in den meisten hier angeführten Punkten nicht bodenlos enttäuschen, muß es dem potentiellen Käufer ‚nur‘ noch gefallen und der Preis stimmen.
Viel Spaß beim Sciroccokauf!